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Gartenpflanzen
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Die hauptsächlichsten im Gartenbau benutzten Vermehrungsarten werden auch für die Rosen angewendet.
Die Aussaat
Die Aussaat wird benutzt einerseits für die Produktion von Wildlingen für die Veredlungen, andererseits für die Zucht von neuen Sorten.
WILDLINGE AUS SAMEN
Die Hagebutten genannten Früchte der Wildlinge, meistens edle Formen der Hundsrose (Edelcanina) werden am besten im September geerntet, wenn sie anfangen sich zu röten. Man wirft sie in einen Mörser, wo man sie zerstampft. Dann werden sie mit Wasser Übergossen und hierauf werden in einem Sieb die Samenkörner vom Fruchtfleisch getrennt. Die Samen werden dann getrocknet und im Oktober in 1 cm tiefe Rillen in lockeren Boden gesät, dem wenn möglich humusreiche Pflanzenerde beigefügt wird. Im Frühling und dann während der ganzen Vegetationsperiode wird das Unkraut gejätet und der Boden locker gehalten. Wenn nötig, wird auch begossen. Wenn die Sämlinge zu dicht stehen, müssen sie ausgelichtet werden, damit sie sich gut entwickeln können. Im November (2. Jahr) oder im Februar-März (3. Jahr) werden die Wildlinge herausgenommen und in das Land gepflanzt, in dem sie veredelt werden sollen. Im Garten des Liebhabers, der durch Aussaat nur einige Wildlinge gezogen hat, ist eine Umpflanzung nicht nötig. Zwischen Juni und August des 3. Jahres werden die Wildlinge durch Okulieren veredelt. Man benutzt als Unterlage auch Rosa multiflora an Stelle von Rosa canina. Rosa multiflora keimt schneller als Rosa canina. Man sät im Februar-März. Diese Wildlinge als Unterlage bei der Veredlung geben kräftigere Büsche als Rosa canina und bringen weniger Wildtriebe. Aber sie haben eine kürzere Lebensdauer. Ihre Veredlung ist schwieriger, weil der Wurzelhals kürzer ist und sich an ihm Wurzeln bilden, die vor der Veredlung entfernt werden müssen. Sie eignen sich für sandige Böden und Topfkultur. Anstatt die Samen nach der Ernte im Herbst zu säen, kann man sie stratifizieren. Der Boden einer Kiste (oder eines großen Topfes, wenn ein Liebhaber Wildlinge aus Samen ziehen will) wird mit Sand bedeckt; dann kommt eine dünne Lage Samen, hierauf eine Schicht Sand, dann wieder Samen und so fort. Kiste oder Topf werden in einen Keller gestellt, und im Frühjahr werden Sand und Samen vermischt und ausgesät. Es kommt vor, daß ein Teil der Samen erst im 2. Jahr keimen.
Die jungen Wildlinge sind mehltauanfällig und müssen entsprechend gespritzt werden.
Vermehrung durch Stecklinge
Die Vermehrung durch Stecklinge kann verwendet werden
1.zur direkten Vermehrung gewisser Rosenrassen und -Sorten,
2. zur Produktion von bestimmten Unterlagen zur Veredlung: Rosa canina inermis, Rosa indica major, Rosa manetti, Rosa multiflora de la Grifferaie. Wir lassen diese Vermehrung beiseite; sie ist die Sache beruflicher Rosenproduzenten.
Zu den Rosen, die wir durch Stecklinge vermehren, gehören nur solche folgender Rassen:
Teerosen , hauptsächlich die alten kletternden Sorten, Noisetterosen undNoisettehvbriden: 'Aimee Vibert', 'Reve d'Or'...
Bourbonrosen und Вourbonhybriden: 'Souvenir de la Mal-maison', 'Zephirine Drouhin'...
Bengalrosen und Bengalhybriden: 'Hermosa', 'Pompon de Paris'...
Miniaturrosen: 'Perla d'Alcanada'. 'Perla de Montserrat', "Rosa Rouletti'...
Polyantharosen und Polyanthahybriden: 'Mme. Norbert Levavasseur', 'Orleans Koster', 'Orleans Rose'...
Multiflora und Multiflorahybriden: 'Tausendschön', 'Gruß an Zabern'...
Wichuraiana und Wichuraianahybriden: "Dorothy Per-kins', 'White Dorothy Perkins', 'Excelsa', 'Lady Gay', 'Lady Godiva', 'Alberic Barbier', 'Albertine', 'Frangois Juranville', 'Leontine Gervais', 'Paul's Scarlet Climber", 'New Dawn'...
Die Vermehrung durch Steckholz gibt wurzelechte Rosen; die Wurzeln und der oberirdische Teil sind von derselben Art. Man braucht also keine Wildtriebe zu befürchten, die oft zum Verlust von veredelten Rosen führen, wenn sie nicht entfernt werden. Dagegen sind die Rosen, die durch Stecklinge vermehrt werden, schwächer als die auf Wildlinge veredelten (mit Ausnahme der Kletterrosen).
Die Vermehrung der Stecklinge kann im September geschehen. Man nimmt von Trieben des Jahres, die gut verholzt sind, den mittleren und den unteren Teil. Jeder ist 15-20cm lang, hat einen Durchmesser von 5-6mm und 3 oder 4 Blätter. Er wird mit einem scharfen Okuliermesser glatt etwa 1 /2 cm über dem oberen und ebenso weit unter dem unteren Auge abgetrennt. Die beiden unteren
Blätter werden entfernt. Von den oberen lässt man 2 Fiederblättchen. Die Stecklinge werden in Abständen von 6-7 cm bis zum ersten stehengebliebenen Blatt in eine durchlässige Mischung von etwa 4 / 5 nicht zu feinem Fluss-Sand und 1/ 5 guter Gartenerde gesteckt. Man gießt leicht an und stülpt eine Glasglocke über die Stecklinge. Am besten benutzt man den Schutz einer Hecke (Thuja oder andere immergrüne Büsche) oder einer Mauer, die vor Sonne und Wind bewahren. Unter der Glocke unterhält man eine leichte Feuchtigkeit. Im November füllt man den Raum zwischen den Glocken mit strohigem Mist oder dürren Blättern. Wenn im Winter große Kälte auftritt, bedeckt man die Glocken mit einer Strohmatte. Im Februar oder März, je nach der Witterung, zieht man die abgestorbenen Stecklinge aus dem Boden, lüftet, wenn das Wetter es erlaubt und schließt die Glocken wieder am Abend. Im April oder Anfang Mai können die nun bewurzelten Stecklinge in den Garten oder in Töpfe gepflanzt werden.
Man kann Stecklingsvermehrung auch im Juli vornehmen, in Töpfen oder im Freiland ohne Benutzung von Glasglocken. Letztere kann man auch dadurch ersetzen, dass man einen Plastikbeutel über den Topf stülpt. Es werden Triebe genommen, die eine eben verblühte Rose trugen. Das untere Ende wird in Wasser und dann in ein Pulver getaucht, das ein Wuchshormon (z.B. Indolylessigsäure) enthält. Dadurch wird die Bewurzelung beschleunigt und gefördert. Wichtig ist, dass die benutzte Erde viel Sand und etwas Torf enthält.
Von einigen Sorten, die sich sehr leicht bewurzeln, wie 'Dorothy Perkins', 'White Dorothy Perkins', 'Excelsa', 'American Pillar' können auch im Freiland in leichter Erde und in geschützter Lage im November Stecklinge gemacht werden.
Absenker
Absenker gibt es auf natürliche Art, wenn Zweige, die auf dem Boden liegen, sich bewurzeln. Das kann geschehen mit den meisten Kletterrosen der Wichuraiana- und Mul-tifloraklasse. Es sind dies Sorten, die auch für die Stecklingsvermehrung in Betracht kommen. Man macht Absenker im März und im April, indem man einen Teil einer Ranke in einer Rille von 10-15 cm Tiefe vergräbt. Im nächsten Herbst ist die Ranke bewurzelt und kann von der Mutterpflanze getrennt werden. Eine andere Methode, Absenker zu erhalten, besteht im Anhäufeln. Sie kann angewendet werden für wurzelechte Rosen, für die alten Provinsrosen, für Centifolien, Damaszener- und Moosrosen, für viele Remontanthybri-den.
Im Frühling werden die Büsche streng zurückgeschnitten, um die Bildung von Trieben aus dem Wurzelhals zu veranlassen. Im folgenden Frühling werden die Büsche angehäufelt, mit 20-30 cm Erde umgeben, wodurch die Triebe, die sich im Vorjahr bildeten, bewurzeln. Im Herbst können sie dann abgetrennt werden.
Die Teilung
Die wurzelechten Rosen bilden manchmal auf natürliche Art, ohne unser Zutun, Triebe, die sich an ihrer Basis bewurzeln. Sie können ohne weiteres von der Mutterpflanze getrennt werden.
Die Okulation
Die Wildlinge, die durch Aussaat gewonnen werden, Canina oder Multiflora, sind dazu bestimmt, Unterlagen zur Veredlung und Bildung von Busch-, Strauch- oder Kletterrosen zu werden.
Der Liebhaber kann selbstverständlich als Unterlage Wildlinge verwenden, die er im Wald ausgegraben und in seinen Garten gepflanzt hat. Das kommt hauptsächlich für Stammrosen in Frage.
Die Veredlung kann von Juni bis August-September geschehende nach den Jahren und den örtlichen Verhältnissen.
Wenn im Juni okuliert wird, so geschieht es «auf das treibende Auge», weil dasselbe sich entwickelt und schon im Laufe des Sommers einen beblätterten Zweig bildet. Diese Veredlung wird hauptsächlich im Süden praktiziert. In Deutschland wäre das Holz nicht genügend gereift und würde der Winterkälte kaum widerstehen. Im Juli-August wird «auf das schlafende Auge» okuliert. Das eingesetzte Auge entwickelt sich erst im folgenden Frühjahr. Die Technik der Okulation ist in beiden Fällen dieselbe.
Die Wahl des Zeitpunktes der Veredlung ist sehr wichtig, denn damit es zum Anwachsen des Auges kommt, müssen Unterlage und Edelreis gut in Saft sein. Ihre Rinde muß sich unter dem Okuliermesser leicht lösen. Trockenperioden verlangsamen den Saftkreislauf und zwingen oft zur Unterbrechung der Okulation.
Veredelt wird bei allen Buschformen auf den Wurzelhals. Um die Okulation zu erleichtern, wurde er beim Pflanzen nur angehäufelt und nicht in die Erde eingesenkt. Unmittelbar vor der Veredlung wird abgehäufelt. Als Reiser, denen die Augen entnommen werden sollen, nimmt man solche, die eine blühende oder gerade abgeblühte Rose tragen. Man eliminiert den obersten Teil, der noch zu weich ist und auch den unteren, welcher Blätter trägt, die von schlecht gebildeten Augen begleitet werden. Es ist also der mittlere Teil des Zweiges, dessen Augen alle gut konstituiert sind, welcher das Edelreis bildet. Ein Reis ist gewöhnlich für die Veredlung geeignet, wenn die Stacheln sich durch einen leichten Druck lösen lassen. Dieselben werden entfernt, sowie die Blätter, von deren Stiel man die Hälfte stehen lässt. Werden die Reiser nicht sofort benutzt, so werden sie mit einer Etikette versehen, welche den Namen oder die Nummer der Sorte trägt, die man vermehren will. Dann umgibt man sie mit frischem Moos, feuchtem Zeitungspapier, einem feuchten Lappen oder man wickelt sie in eine Plastikfolie ein. Das Okulieren erfolgt in vier Phasen:
1. Einschnitt der Unterlage
2. Abtrennen des Auges vom Edelreis
3. Einführen des Auges in den Wildling
4. Verbinden.
In den Wurzelhals, wenn es sich um Buschrosen, in den Wildstamm, wenn es sich um Stammrosen handelt, werden ein Längs- und ein Querschnitt in Form eines 'T in die Rinde gemacht. Die Rinde des Querschnitts wird mit dem Spatel des Okuliermessers gelöst. Wenn der Wildling gut in Saft ist, geht das sehr leicht.
Dann wird das Auge vom Edelreis abgetrennt. Die haarscharfe Klinge schneidet 15-20mm über dem Auge die Rinde ein. Sie gleitet dann zwischen Rinde und Holz bis etwa 15 mm unter dem Auge, wo sie dann wieder hervortritt. Auge und Rinde bilden das Schildchen. Mit der Rinde wurde auch ein dünner Holzstreifen abgetrennt. Man kann ihn unter der Rinde lassen. Aber es ist besser, ihn vorsichtig zu lösen und zu entfernen. Dadurch wird die Kambiumfläche des Schildchens und des Wildlings, die zusammenwachsen sollen, vergrößert. Auch schmiegt sich die Rinde besser an den Wildling an. Das Schildchen wird seitlich zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand angefasst, während die Lappen des Querschnitts mit dem Löser des Okuliermessers etwas angehoben werden. Dann wird das Schildchen sorgfältig unter die Lappen so weit als möglich eingeführt. Mit dem Löser oder der Rückseite der Klinge kann man etwas nachhelfen, indem man leicht auf die Stelle drückt, wo das Auge auf der Rinde sitzt. Dieses darf aber dabei nicht beschädigt werden. Ragt ein Stück des Schildchens über den Querschnitt hinaus, so wird er sorgfältig abgeschnitten. Die beiden Rindenlappen werden mit dem Finger angedrückt. Dann sieht man nichts mehr als das Auge und den Blattstiel.
Hierauf wird verbunden, meistens mit Raffiabast. Es können aber auch Wolle, Gummi- oder Plastikbänder verwendet werden. Damit das Auge beim Verbinden nicht herausgedrückt wird, kann man oben anfangen, in zwei Windungen flüchtig nach unten fahren, dann nach oben hin sorgfältig verbinden und mit einem Knoten abschließen. Das Verbinden kann auch in einem Arbeitsgang geschehen; dann wird mit einer Schlaufe abgeschlossen. Aber immer mehr werden zum Verbinden Schnellverschlüsse benutzt. Das sind rechteckige Stücke Kautschuk, die mit einer u-förmigen Metallklammer versehen sind und um die Unterlage herumgezogen werden. Vorher muß aber der Blattstiel ganz entfernt werden, damit das Blättchen gut aufsitzt und die Veredlung fest andrückt. Nach dem Verbinden wird angehäufelt, damit das Auge im Dunkeln sitzt und nicht austreibt. Auch wird dadurch die Vermoderung der Folie oder des Blättchens beschleunigt und die Veredlung riskiert nicht, erwürgt zu werden. Ungefähr 14 Tage nach dem Okulieren kann man bereits die missratenen Okulationen erkennen: der Blattstiel ist vertrocknet, hängt aber noch. Auf den anderen ist der Blattstiel grün geblieben, von selbst abgefallen oder fällt, wenn man ihn berührt.
Gegen Ende Oktober können die Unterlagen eingekürzt werden.
Im März wird die Krone des Wildlings unmittelbar über der Veredlung abgeworfen und verbrannt. Die Veredlungsaugen treiben bald aus, meistens mit einem Trieb. Wenn dieser 3-5 Blätter hat, wird die noch weiche Spitze mit 2 oder 3 Blättern abgeschnitten oder mit dem Fingernagel abgeknipst. Man nennt das pinzieren. Dadurch wird die Pflanze angeregt, sich zu verzweigen. Auch wird ein zu frühes Blühen verhindert. Ferner sind junge, starke Triebe dem Windbruch ausgesetzt, weil die Veredlungsstelle am Anfang noch nicht sehr fest verwachsen ist. Im Herbst können die okulierten Rosen an den endgültigen Standort gepflanzt werden.
Veredlung der Hochstamm- und Trauerrosen
Die Unterlagen für Hochstamm- oder Trauerrosen sind gewöhnlich Wildlinge von starkem, geradem Wuchs, die im Wald ausgegraben und dann in den Garten gepflanzt wurden. Die schönsten findet man in den Abteilungen, die vor 3 bis 6 Jahren abgeholzt wurden. Auf den alten Wurzelstöcken, die im Zuge des Holzschlags abgehauen wurden, haben sich junge Triebe entwickelt, die sich als Unterlagen eignen. Aber viele Baumschulen ziehen auf fruchtbarem, nicht zu trockenem, gut gedüngtem Boden aus Samen Unterlagen, die speziell für die Veredlung von Hochstamm- und Trauerrosen bestimmt sind. Die Veredlung geschieht zum Zeitpunkt und auf die Art, die für Buschrosen gültig sind. Anstatt in den Wurzelhals werden die Augen in den Stamm selbst oder in junge Seitentriebe so nahe als möglich beim Stamm eingesetzt, gewöhnlich 2 oder 3 Augen pro Unterlage oder 1 Auge in jeden stehengelassenen Seitentrieb. Die unnötigen oder schlecht plazierten Seitentriebe wurden schon vorher entfernt.
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eingebundenes Schildchen (links) |
T-Schnitt in Rinde |
Schildchen m. Auge |
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